Viagra positiv für Herzgesundheit?

Bisher war die eingängige Meinung: Herzprobleme und Viagra vertragen sich überhaupt nicht. Doch neueste medizinische Erkenntnisse wiederlegen diese These.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie betreffen akute Herzerkrankungen zu knapp 58 Prozent das männliche Geschlecht. Männer sind somit im Vergleich weit häufiger betroffen als Frauen. Herzkrankheiten, arterielle Verstopfungen bzw. Verengungen und Herzinfarkte können vorübergehend oder dauerhaft zu einer erektilen Dysfunktion führen. Potenzmittel wie Viagra und Co. können nicht nur dabei helfen, wieder für mehr Schwung im Liebesleben zu sorgen, sondern können laut einer neuen Studie auch die Herzgesundheit verbessern.

Betroffene haben häufig Angst, dass sich die Einnahme diverser PDE-5-Hemmer nachteilig auf ihre Herzerkrankung auswirkt, weitere Herzinfarkte auftreten oder das Herz unter Umständen ganz versagt. Im Allgemeinen sind diese Befürchtungen jedoch unbegründet und heutigen wissenschaftlichen Studien nach absolut haltlos.

Erfahrene Kardiologen befürworten die Verschreibung von Viagra, Cialis oder Levitra. Die genannten Medikamente enthalten den Wirkstoff Sildenafil, Tadalafil bzw. Vardenafil. Der erste zugelassene PDE-5-Hemmer Sildenafil im Medikament Viagra wurde ursprünglich für die Kardiologie als reines Herzmedikament entwickelt. Bedingt dadurch sind potenzielle Risiken nahezu ausgeschlossen. Allerdings sollten Betroffene während der Viagra-Einnahme keinerlei Nitro-Präparate nutzen. Eine Kombination beider Wirkstoffe führt häufig zu gefährlichen Blutdruckabfällen.

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Potenzmittel vs. Herzinfarktes

Das American College of Cardiology‘;s präsentierte eine interessante Studie im Zusammenhang mit Potenzmitteln und Herzerkrankungen. Mehr als 43.000 Männer im Alter von 80 Jahren oder jünger wurden über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren beobachtet. Alle diese Männer hatten bereits einen Herzinfarkt erlitten. Während der Studiendauer nahmen die Betroffenen regelmäßig Potenzmittel ein.

Eine Gruppe behandelte ihre erektile Dysfunktion mittels Viagra, Levitra und Cialis. Eine weitere Gruppe nutzte Alprostadil. Zum Ende der Studie konnte festgehalten werden, dass die Sterblichkeitswahrscheinlichkeit bei den Männern, die Viagra und Co. einnahmen, um 38 Prozent sank. Bei den Alprostadil-Patienten konnte dagegen keine Verbesserung der Überlebenswahrscheinlichkeit nachgewiesen werden. Daniel Peter Andersson, Postdoktorand am Karolinska Institutet in Stockholm und Leiter der Studie geht sogar soweit zu sagen, dass es nicht nur sicher ist, PDE-5-Hemmer nach einem Herzinfarkt einzunehmen. Laut ihm könnte ein aktives Sexualleben mit entsprechender Behandlung einer erektilen Dysfunktion sogar ein entscheidender Marker für die Verminderung der Sterblichkeit sein. Seine Forschung basierte im Allgemeinen auf die schwedisch nationale Datenbank von Krankenakten.

Berücksichtigt wurden ausschließlich Männer im Alter von 80 Jahren oder jünger, die zwischen 2007 und 2013 stationär aufgrund eines Herzinfarktes behandelt wurden. Knapp sieben Prozent der Betroffenen wurden im weiteren Verlauf ihrer Herzerkrankung aufgrund einer erektilen Dysfunktion behandelt. Circa 92 Prozent dieser erhielten PDE-5-Hemmer wie Viagra.

Die restlichen acht Prozent dagegen Alprostadil. Nachdem zum Zwecke der Studie weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Diabetes oder Schlaganfälle angepasst wurden, konnte festgestellt werden, dass diejenigen, die PDE-5-Hemmer einnahmen, ein deutlich verringertes Sterblichkeitsrisko im Vergleich zu denen hatten, die keine Medikamente oder Alprostadil nutzten.

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Wenn die Angst beim Sex mitspielt

Doch ohne Frage haben zahlreiche Männer nach einem erlittenen Herzinfarkt verständliche Angst vor Sex. Ein Herzinfarkt vermittelt stets den Eindruck, dass der eigene Körper schwächelt. Betroffene sind dem Tod oft nur knapp entkommen. Zahlreiche Herzkranke wissen im Anschluss nicht mehr, was sie ihrem Körper noch zutrauen können. In welcher Form sie ihn noch belasten dürfen. Sollten solche Ängste dem Liebesleben im Weg stehen, ist ein Gespräch mit dem behandelnden Kardiologen durchaus angeraten.

In den meisten Fällen geben Spezialisten grünes Licht für sexuelle Aktivitäten. Allerdings sind die Schwere der Herzerkrankung und die Art des notwendigen Eingriffs entscheidend. Während manche Männer schon eine Woche nach ihrem Herzinfarkt wieder zur Tat schreiten dürfen, sollten andere ihren Körper für bis zu sechs Wochen schonen.

Wichtig ist vorab, dass sich der allgemeine Zustand stabilisiert. Der Herzspezialist Brück empfiehlt, auf den eigenen Körper zu hören. Wenn sich der Patient sicher fühlt und Lust auf Sex hat, spricht im Allgemeinen auch nichts dagegen. Wer dagegen Zweifel hat, kann den einfachen Treppentest wagen. Ziel ist es hierbei, ein Stockwerk ohne Beschwerden und Pausen zu erklimmen. Weiter sagt Brück, dass ebenso Teilnehmer von Herzsportgruppen bedenkenlos in ihr aktives Liebesleben starten dürfen.

Im Zweifel einen Arzt aufsuchen

Trotz aller Vorsicht. Studien und Sicherheiten gilt: Kommt es nach dem Sex zu Schwindelanfällen, Atemnot oder Schmerzen in der Brust, ist dringend ein Arztbesuch notwendig. Gleiches gilt bei unregelmäßigen Herzschlägen, Schlaflosigkeit oder anhaltenden Erschöpfungserscheinungen.

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